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Rezension | Ophelia Scale – „Die Welt wird brennen“ – Lena Kiefer

Allgemeine Info zum Buch:

Originaltitel: -
Autor/in: Lena Kiefer
Covergestaltung: Carolin Liepins
in DE erschienen:  2019
Verlag: cbj Kinder- und Jugendbuchverlag
ISBN: 978-3-570-16542-3
Seitenanzahl: 464

Wertung:

Meine Bewertung: 4,5/5

Authentische Widerstandskämpferin spielt Agentin in einer verrückt gewordenen Zukunft - mit großer Klappe, viel Gefühl und fettem plot twist.

Klappentext:

Hoffnung ist stärker als Hass,
Liebe ist stärker als Furcht.

Die 18-jährige Ophelia Scale lebt im England einer nicht zu fernen Zukunft, in dem Technologie gesetzlich vom Regenten verboten ist. Die technikbegeisterte und mutige Kämpferin Ophelia hat sich dem Widerstand angeschlossen und wird auserkoren, sich beim royalen Geheimdienst zu bewerben. Gelingt es ihr, sich in dem harten Wettkampf durchzusetzen, wirrd sie als eine der Leibwachen in der Position sein, ein Attentat auf den Herrscher zu verüben. Doch im Schloss angekommen, verliebt sie sich unsterblich in den geheimnisvollen Lucien - den Bruder des Regenten. Und nun muss sich Ophelia entscheiden, zwischen Loyalität und Verrat, Liebe und Hass ...

IM KAMPF UM DIE FREIHEIT RISKIERT SIE ALLES.

Rezension & Fazit

"Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" ist das erste Buch einer Triologie, und wie in den meisten Fällen wurde ich bei Amazon über die "Kunden kauften auch"-Kategorie auf diese Buchreihe aufmerksam.

Im Zentrum der Geschichte steht Ophelia, die, wie auch ihr Vater, in jüngeren Jahren ganz vernarrt in fortgeschrittene Technologie war. Im Jahr 2128 beschloß König Leopold, dass Menschen aufgrund des technologischen Fortschritts menschliche Werte und ein soziales Miteinander dermaßen verlernt haben, dass er zur sogenannten "Abkehr" ausruft - dem Verbot aller technischen Geräte und künstlichen Intelligenzen. Dieses Verbot setzt er auch mit aller Härte durch.

Aufgrund dieser Entwicklung geht auch die Ehe von Ophelias Eltern vor die Hunde, sodass Ophelia mit ihrem Vater zu dessen neuer Freundin nach England zieht und sich dort der Widerstandsgruppe "ReVerse" anschließt.

Und hier beginnt auch die eigentliche Geschichte von Ophelia Scale.
Mittlerweile ist Ophelia 18 Jahre alt und ein wichtiger Bestandteil von ReVerse, die mit der Nutzung und dem Stehlen von technischen Geräten der Abkehr erbittert ein Ende zu bereiten versucht. Antrieb dafür ist nicht nur ihr eigenes Verlangen nach einer fortschrittlicheren Welt, sondern auch die Wut auf die Maßnahmen des Königs gegen Widerständler, welche ihre erste große Liebe grausam mit einem "Clearing", also der kompletten Löschung von Erinnerungen, quasi ungeschehen machte.

Als für den Schutz des Königs neue Mitglieder der royalen Garde gersucht und ein landesweiter Wettbewerb gestartet wird, wittert Ophelia ihre Chance, sich persönlich bei König Leopold zu rächen.

Ich denke, ich spoilere nicht, wenn ich sage, dass Ophelia es tatsächlich durch das Auswahlverfahren schafft und so ins Zentrum der Macht nach Maraisville reisen darf, um hier zwischen Dramen und Intrigen fortan ihrer weiteren Ausbildung nachzugehen. Wäre ansonsten ja auch ein sehr kurzes Buch ...
Hier lernt sie (vermeintlich) Freund und Feind kennen, sowie auch Lucien, den Bruder des Königs, den sie im ersten Moment gar nicht als solchen erkennt und mit Hilfe ihres unglaublichen Charmes *hust* verlieben sich die beiden - mehr noch, dank Lucien beginnt Ophelia nun, an ihrer eigentlichen Mission und ihren Überzeugungen zu zweifeln ...

Mehr möchte ich zur Story eigentlich gar nicht sagen.
Und wisst ihr was? Die Geschichte hat mich anfangs nicht ganz überzeugt.

Klar ist Ophelia ziemlich cool und für mich wieder einmal die perfekte Protagonistin mit ihrer großen Klappe. Auch die dystopische Welt, in der "Ophelia Scale" spielt, war für mich gut vorstellbar und sogar die beiden vorherrschenden Ansichten, also sowohl die der Widerstandskämpfer als auch die des Königs, nach verschiedenen Argumentationen zwischen den Charakteren tatsächlich gut nachvollziehbar. Dabei geht es hier weniger nur um das reine Verbot von Technologie, sondern auch, was es für jeden Einzelnen bedeutet, wie die Welt plötzlich Kopf steht, wenn man zwar irgendwie alles, und dennoch nichts hat.

Doch die Handlungen in dem Buch waren anfangs komplett vorhersehbar. Eigentlich hätte mich das zu diesem Zeitpunkt schon stutzig machen müssen. Ich meine, NATÜRLICH ist Ophelia die Auserwählte von ReVerse, die durch das Auswahlverfahren kommt. NATÜRLICH verliebt sich einer der wichtigsten Männer in Maraisville in Ophelia, wieso auch nicht? Sie ist super. NATÜRLICH ist das Boot an der Boje mehr als auffällig.

Und dann ... kommt alles etwa ab dem letzten Drittel des Buches komplett anders.
Ich war völlig baff und hatte mit dieser Entwicklung so überhaupt nicht gerechnet.
Die Autorin hat es meisterhaft geschafft, mich hinters Licht zu führen - beim Beenden des Buches habe ich mich furchtbar naiv gefühlt, weil ich nicht hinter die ganzen Intrigen und Verblendungen gestiegen bin und mich von diesem "Heldin liebt den Bruder des Feindes"-Kinderbuchblabla komplett habe einlullen lassen.
Also ganz großes Kompliment an dieser Stelle für die wirklich ausgeklügelte Story!

Auch die Protagonisten konnten mich entsprechend voll und ganz überzeugen.
Sehr gut fand ich natürlich Ophelia, mutig und tough, und sie kämpft für ihre Überzeugungen. Vor allem ist sie aber auch menschlich - sie lässt sich viel vom Bauchgefühl und ihrer Intuition leiten. Aber - Ophelia als Heldin ist hier ganz einfach auch mal nicht perfekt. Natürlich finde ich es immer ganz toll, wenn die Hauptperson allen anderen in den Arsch tritt, aber sind wir mal ehrlich - es ist, abgesehen davon, dass wir uns im Fantasy-Bereich aufhalten, sehr unrealistisch, dass ein 18-jähriges Mädchen, welches seit 6 Jahren trainiert, in körperlichen Belangen besser ist als ein 30-jähriger Kerl, der seinem Job schon mindestens doppelt so lang ausübt. Das wird hier erfrischenderweise auch mal aufgegriffen, Ophelia muss sich so teilweise durch manche Prüfungen schummeln, um zu bestehen.
Auch ihre wankenden Ansichten bezüglich der Abkehr, ihre Gefühle für Lucien, aber auch die für ihre erste große Liebe, werden für mich nachvollziehbar dargestellt. Manchmal hatte ich diesbezüglich sogar Mitleid mit ihr und an ihrer Stelle wäre ich wohl schon zehnmal verzweifelt. Auch die anderen Charaktere waren authentisch und konnten mich so überzeugen - beziehungsweise, sie haben mich sehr erfolgreich hinters Licht geführt.

Warum ich trotzdem nicht die komplette Punktzahl vergeben habe?
Den einen halben Punkt habe ich dafür abgezogen, dass man meiner Meinung nach noch ein klein wenig mehr aus der Welt hätte machen können, vielleicht irgendetwas mehr in Richtung Steampunk. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und tut dem Buch an sich mit Sicherheit keinen Abbruch.

Alles in allem konnte mich "Ophelia Scale - Die Welt wird brennen" also vollkommen überzeugen. Eine runde Story, eine glaubhafte Welt, authentische Charaktere, der fieseste Cliffhanger der Welt - natürlich sind Teil 2 "Der Himmel wird beben" und Teil 3 "Die Sterne werden fallen" schon gekauft 🙂

Bis dahin,
Tina

 

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