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Rezension | Die Saat des weißen Drachen – Uwe Eckardt

Die Saat des weißen Drachen Buchcover

Allgemeine Info zum Buch:

Originaltitel: -
Autor/in: Uwe Eckardt
Covergestaltung: Reiko Groß
in DE erschienen:  2017
Verlag: -
ISBN: -
Seitenanzahl: 613

Wertung:

Meine Bewertung: 3/5

Irreführender Klappentext lässt mich mit einer etwas anderen Drachenstory zwar verwundert, aber relativ zufrieden zurück.

Klappentext:

Ein Junge. Ein Drache.
Die Zukunft einer ganzen Welt.

Hast du dich schon einmal gefragt, woher die Märchen und Legenden über Drachen, Trolle und all die anderen sagenhaften Geschöpfe eigentlich kommen? Was wäre, wenn sie nicht nur der Fantasie und der Feder der Geschichtenerzähler vergangener Zeiten entsprungen sind? Was, wenn uns nur ein dünner Schleier von einer magischen Welt voller wundersamer Wesen trennt?
Hättest du den Mut, ihn zu zerreißen?

Um sein Leben zu retten, bleibt Finn keine Wahl. Er muss den Sprung durch den Schleier wagen und stolpert sogleich in ein turbulentes Abenteuer, von dessen Ausgang nicht weniger als die Zukunft einer ganzen Welt abhängt. Einen Drachen auf seiner Seite zu haben, ist dabei schön und gut. Wenn er nur Feuer speien könnte ...

Rezension & Fazit

Wie im Lesemonat August 2020 bereits angekündigt, folgt hier meine Rezension zu "Die Saat des weißen Drachen" von Uwe Eckardt. Endlich auch mal wieder ein deutsches Fantasy-Drachen-Buch, welches im Internet allerdings eher gemischt rezensiert wird. Warum das so ist, kann ich teilweise nachvollziehen, denn der Klappentext verspricht allein von der Story her meiner Meinung nach eigentlich etwas anderes - was allerdings für meinen Geschmack nicht ganz so schlimm war.

Für mich suggeriert der Klappentext, dass Finn - so der Name des Hauptcharakters in "Die Saat des weißen Drachens" - den Schleier zu einer anderen Welt herunterreisst, entsprechend ganz viel böses Viehzeug in unsere normale Welt reist und er nun mit Hilfe eines Drachens die Bösewichte stoppen oder das Tor schließen oder was auch immer tun muss, wobei der Drache keine große Hilfe ist, weil er kein Feuer spucken kann. Tja - komplett falsch gedacht!

Dass Bror, also der Drache, kein Feuer spucken kann, ist für die eigentliche Story unrelevant, weshalb ich nicht ganz verstehe, warum dieser Punkt überhaupt angesprochen wird. Dass Bror außerdem gar nicht Finn's Kumpel ist, fand ich dagegen tatsächlich sehr erfrischend! Endlich ist mal nicht der Hauptcharaktere der, der alles Coole kann und alles Tolle bekommt. Die ganze Gruppe - ja, Finn ist übrigens nicht alleine unterwegs - ist hier wichtig, jeder auf seine Weise - auch wenn natürlich nicht ausbleibt, dass Herr Hauptprotagonist quasi der Mächtigste von allen ist.

Die "richtige" Story beginnt in unserer normalen Realität, wo Finn durch einen Unfall plötzlich eine Art Inselbegabung (auch "Savant-Syndrom" genannt) besitzt. So wird eine Bösewichte-Forschungsabteilung auf ihn aufmerksam, entführt ihn und macht verschiedene Tests mit ihm und den anderen Savanten, die bereits vorher von irgendwo weggegrappelt wurden. Ein gemeinsamer Ausbruchsversuch gelingt, endet allerdings in einer anderen Welt, in der all unsere Märchen-Figuren real sind.
Dort treffen Finn und die anderen Savanten namens Ken, Riku, Emma sowie Bösewichtin Sascha, die zufällig noch mit durchs Tor gefallen ist, auf Schey und ihr Volk, die gerade arge Probleme mit ihren Feinden haben. Die Drachen, die eigentlich für Gleichgewicht in dieser Welt sorgen sollen, sind wahnsinnig und machen daher ihren Job nicht mehr. Und so bleibt es an Finn und den anderen, mit ihren besonderen Fähigkeiten für Ordnung zu sorgen ...

Wie eingangs erwähnt, fand ich es halb so wild, dass die Story eigentlich eine andere war als vermutet. Die Reise quer durch die Fantasy-Welt hat mir gut gefallen, die Vermischung zwischen der Fantasy-Welt und der realen Welt dieses Buches waren für mich okay, die Gruppe hat und trifft interessante Charaktere.
Es gab allerdings keine großartigen Überraschungen, die drei (sehr stereotypischen) Oberbösewichte waren trotz des Umfangs des Buches schneller besiegt als man meinen sollte. Alles in allem war das Buch halt nicht aufregend, eignete sich daher aber ganz gut als entspannende Bettlektüre, wenn man denn gewillt ist, sich in die Fantasy-Welt hineinzuversetzen.

Was mich allerdings gar nicht packen konnte, war die Liebesgeschichte rund um Finn und Schey. Wie aus "Hey, lass zusammen durch Schächte krabbeln" so schnell "Hey, lass pimpern" werden konnte, war mir schleierhaft. Vielleicht ist die Jugend auch in anderen Welten notgeil? Man weiß es nicht. Allgemein hat mein Zeitgefühl in diesem Buch übrigens arg gehadert - manchmal kam es mir so vor, als würde die fortschreitende Zeit einzig anhand von Finn's kleiner werdendem Bauchumfang gemessen werden.

Und was zwar als interessanter Ansatz im dritten Teil gedacht war - nämlich, dass die Geschehnisse plötzlich nicht mehr nur über Finn's Schulter kommentiert werden, sondern jeder einzelne Charakter die gleiche Story aus seiner eigenen Sicht erlebt, ging mir bereits nach dem zweiten Mal gehörig auf die Nerven. Ich hatte so stark das Gefühl, mich im Kreis zu drehen, dass ich wirklich überlegt habe, diesen Teil zu überblättern und erst dort wieder weiterzulesen, wo die Savanten wieder alle beisammen sind.

Summa summarum ist "Die Saat des weißen Drachen" (wo mir tatsächlich auch erst jetzt, wo ich den Namen lese, der Zusammenhang zwischen Story und Titel erschließt) mit Sicherheit kein Buch für Jemanden, der alle möglichen im Buch aufgestellten Behauptungen nachgoogelt und sich an gefundenen Fehlern aufgeilt. Wer sich an tiefgründigen High-Fantasy-Geschichten mit viel Charakterentwicklung erfreut, wird hier nicht glücklich. Außerdem hätte man doch etwas mehr aus der Schleier-Sache zwischen den beiden Welten machen können, epische Schlachten, mehr Action und Chaos einfügen können. Oder auch mehr Steampunk-Elemente. Hier verspielt das Buch definitiv einige Punkte.

Aber für jüngere Semester oder einfach "für zwischendurch" halte ich das Buch jedoch für durchaus lesenswert.

Bis dahin,
Tina

 

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