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Rezension | Diabolic – „Vom Zorn geküsst“ – S.J. Kincaid

Buchrezension Diabolic von SJ Kincaid

Allgemeine Info zum Buch:

Originaltitel: The Diabolic
Autor/in: S.J. Kincaid
übersetzt von: Ulrich Thiele
in DE erschienen:  2017
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401602592
Seitenanzahl: 488

Wertung:

Meine Bewertung: 3,5/5

Sci-Fi-Action ohne Action im Weltall, dafür mit viel Drama, Intrigen und spannenden Wendungen.

Klappentext:

Eine DIABOLIC ist stark.
Eine DIABOLIC kennt kein Mitleid.
Eine DIABOLIC hat eine einzige Aufgabe:
Töte, um den einen Menschen zu schützen,
für den du erschaffen wurdest.

Als Nemesis und Tyrus sich am Imperialen Kaiserhof begegnen, prallen Welten aufeinander. Sie - eine Diabolic, die tödlichste Waffe des gesamten Universums. Liebe ist ihr völlig fremd. Er - der Thronfolger des Imperiums, der von allen für wahnsinnig gehalten wird. Liebe ist etwas, das ihn nur schwächen würde. Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn an einem Ort voller Intrigen und Machtspiele ist ein Funke Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle ...

Rezension & Fazit

In einer fernen Realität, in der wissenschaftlicher Fortschritt, Empathie und ein menschlicher Umgang miteinander ein absolutes No-Go sind, lernen wir Nemesis kennen. Nemesis ist eine sogenannte Diabolic - ein künstlich erzeugtes Wesen, welches einem einzigen Zweck dient: den einen Menschen zu schützen, auf den es geprägt wurde. Die erforderlichen Eigenschaften einer solchen Tötungsmaschine werden den Diabolics direkt mit in die Wiege gelegt: Sie sind skrupellos, gefühlskalt und verfügen über unmenschliche Stärke und Schnelligkeit.

Nemesis wurde auf Sidonia Impyrean geprägt - ein zartes, friedliches Mädchen, welches Nemesis immer als ebenbürtigen Menschen betrachtet hat. Eines Tages wird Sidonia unter einem Vorwand jedoch direkt vor den Kaiser beordert wird, um für die Sünden ihres Vaters zu büßen. Doch an Sidonias statt reist Nemesis zum Chrysanthemum, um die einzige Person zu schützen, die sie lieben kann ...

Und ab hier beginnt für mich die eigentliche Story von "Diabolic - Vom Zorn geküsst". Es ist bestimmt schon 2-3 Jahre her, dass ich das Buch erstmals gelesen habe. Der Anfang bis zu dem Teil, an dem Nemesis endlich am Chrysanthemum ankam, hatte mich damals schon ziemlich gelangweilt, weil dort viele Punkte angesprochen werden (wie beispielsweise die Vorbereitungszeit auf den kaiserlichen Hof), deren Einzelheiten für mich überhaupt nicht weiter interessant waren.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies ausschließlich für den Leser als ein kleiner Ausflug in die Welt der Grandiloquay und deren Möglichkeiten gedacht ist, da man ansonten im kompletten Buch eigentlich keinerlei Hintergrundinfos bekommt, was in dieser Welt eigentlich so abgeht. Hier habe ich aber stark gemerkt, dass die Autorin eben eine SIE ist - statt cooler Exo-Skelette, Roboterkämpfen und Lichtschwert-Action gibt es hier Schönheitsbots und jede Menge bis obenhin ausstaffierte D-Promis in Glitzer-Klamotten, die unter Drogen in einem Raumschiff, dass aussieht wie eine Blume, permanent herumtanzen. Ernsthaft - mehr hat die Zukunft nicht zu bieten? Das fand ich schon ziemlich fade.

Auf dem Chrysanthemum angekommen, muss Nemesis lernen, sich wie ein Mensch zu verhalten - nicht nur ihren Charakter anpassen, sondern auch jegliche Körperregungen - und wird nach und nach Zeuge der unfassbar grausamen Welt voller Dekadenz, Gewalt und Intrigen, mit der sich die "herrschende" Klasse der Grandiloquay die Zeit vertreibt. Wahrscheinlich genau deshalb kann Nemesis sich bald anpassen und knüpft erste Freundschaften - zu Neveni, die ihr zu einer mehr oder weniger guten Freundin wird, und unter anderem auch zu Tyrus, der Sohn des Kaisers, der immer wieder durchblicken lässt, dass er gar nicht so wahnsinnig ist, wie ihm nachgesagt wird.

Und so lernt Nemesis alsbald noch etwas ganz anderes: dass sie Gefühle empfinden kann und somit wahrscheinlich mehr Mensch ist als der Rest der gesamten Grandiloquay.

Die Liebesgeschichte(n) war zwar ein wichtiger Bestandteil und auch ein kleiner Plotttwist im Buch, ist aber für meinen Geschmack niemals zu penetrant oder kitschig gewesen. Gerade das fand ich in "Diabolic" aber auch eine wichtige Kernsache - hätte sich Nemesis plötzlich um 180 Grad zur liebenden Tussi entwickelt, hätte ich wohl im Strahl gekotzt. Ich stehe ja sowieso immer mehr auf die "Bösen" - wobei man von Nemesis eben nicht sagen kann, dass sie schlecht ist (zumindest auch nicht schlechter als das Gesindel der Grandiloquay). Aber die Art der Autorin, wie sie beschreibt, was Nemesis alles im Hinterkopf haben muss und versucht, um menschlich zu wirken ("blinzeln"), fand ich schon ganz große Klasse.
Und auch ihre Selbstzweifel aufgrund der Gefühlssache, zu der sie ja eigentlich gar nicht in der Lage sein darf, wurden nur dezent eingesetzt, sodass sie für mich nachvollziehbar blieben.

Am interessantesten fand ich allerdings das Ende. Auch wenn der Spannungsbogen zum Ende hin etwas absackte, so war ich mir doch eigentlich sicher, dass mit diesem Buch nach Teil 1 Schluss war. Ich war mit dem relativ offenen Ende ohne Cliffhanger vollkommen zufrieden, habe gefühlt alles erlebt und mich von den Charakteren geistig bereits verabschiedet. Und nun habe ich vor einer Woche durch Zufall gesehen, dass es sich bei "Diabolic" um eine Triologie handelt und zumindest ein weiterer Teil in Deutschland verfügbar sind.
Voller Vorfreude habe ich mir Teil 2 "Diabolic - Durch Wut entflammt" bestellt, gelesen, und ... um Gottes Willen, was haben sie nur getan?!
(Update: Was sie getan haben, könnt ihr hier nachlesen: Buch-Rezension zu Diabolic 2 "Durch Wut entflammt")

Bis dahin,
Tina

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