Gedankenwürmer
Schreibe einen Kommentar

Gedankenwurm #3 | Stille Nacht, verseuchte Nacht – und was WIR damit tun.

Edit: Dieser Blogpost war eigentlich für den 24. Dezember geplant gewesen. Leider wurde der - aus welchen Gründen auch immer - nicht automatisiert online gestellt, und ich war wie untenstehend zu lesen zu "beschäftigt", um zu kontrollieren, ob alles seine Richtigkeit hat. Hatte es nicht, sorry dafür. In diesem Sinne wünsche ich also nicht nur ein frohes Weihnachtsfest, sondern auch ein schönes Silvester. Kommt gut rüber!

In 2020 steht uns Corona-bedingt ein etwas anderes Weihnachtsfest bevor - in meinem Fall eins ohne viel Verwandtschaftsbesuche, ohne Herumgehetze von A nach B, ohne Last-Minute-Weihnachtseinkäufe. Für mich also eigentlich perfekt! Da hat der ganze Pandemie-Mist ja doch mal eine positive Seite.

Wer jetzt meint, Männe und ich würden über die Weihnachtstage am PC daddeln, was das Zeug hergibt, der irrt - wir sind beide schon länger begeisterte RPG-Brettspiel-Liebhaber und haben uns für die Festtage ein weiteres zugelegt, welches wir nun seit Tag 1 unseres gemeinsamen Urlaubs schon suchten.
Das Thema RPG-Brettspiel/Rollenspiel/Dungeon-Crawler (wie auch immer man diese Art von Brettspielen noch nennen mag) ist ja aktuell sowieso wieder im Kommen, deshalb dachte ich mir, es würde bestimmt nicht schaden, hier dem ein oder anderen Fantasy-Interessierten mal drei solcher Spiele ans Herz zu legen:

Die Legenden von Andor
von Michael Menzel | Kosmos Verlag

"Die Legenden von Andor" würde ich persönlich als Einstiegs-RPG empfehlen. Das Basisspiel ohne Erweiterungen ist aktuell für rund 25 Euro zu haben, was in diesem Segment wohl als relativ günstig zu bezeichnen ist. Der Preisunterschied zu den anderen, untenstehend vorgestellten Spielen kommt allerdings daher, dass hier nur Pappaufsteller anstatt Plastikfiguren verwendet werden.

In "Die Legenden von Andor" spielt ihr mit 2-4 Spielern gemeinsam gegen das Spiel. Dabei könnt ihr löblicherweise zwischen Männlein und Weiblein wählen und startet als Zwerg, Bogenschütze, Zauberer oder Krieger mit unterschiedlichen Fähigkeiten in die erste von insgesamt 5 Legenden.

Was dieses Spiel für mich zu einem super Einstiegsspiel in die Welt der RPG macht: Ihr habt kein dickes Regelwerk vorab zu studieren. Dank der beigelegten Losspiel-Anleitung könnt ihr direkt loslegen, und die angegebene Spielzeit von 60-90 Minuten pro Legende ist ziemlich realistisch.

Vorteile

  • schneller Einstieg in "seichtes" RPG-Gewässer
  • deutscher Autor, daher keine Übersetzungsfehler
  • ohne Erweiterungen relativ günstig

Nachteile

  • nur Pappaufsteller statt richtiger Figuren
  • Zeit in einigen Legenden sehr knapp bemessen
  • kein Mehrspiel-Wert (außer, man hat die Story vergessen...)

Wertung

Für eingefleischte Rollenspieler durch fehlende Weiterentwicklungs-Möglichkeiten des Charakters etwas fade, für alle anderen Interessierten durchaus einen Blick wert.

Sword & Sorcery
von Simone Romano & Nunzio Surace | Ares Games

"Sword & Sorcery" ist ein sogenannter Dungeoncrawler - das bedeutet, die Heldengruppe verläuft sich innerhalb der vom Spiel vorgegebenen Story immer wieder in Höhlen, Kryptas oder anderen unterirdischen Kram. Dabei gibt es im Szenariobuch fest vorgegebene Pläne, wie einzelne Brettspiel-Teile aneinandergelegt werden, wo Türen geöffnet, Fallen platziert und Schätze hinterlegt werden, damit so für jedes Szenario ein unterschiedlicher Spielplan zugrunde liegt.
Hier muss also taktisch immer auf die entsprechenden Räumlichkeiten eingegangen werden, die niemals gleich ausfallen.

Entsprechend hoch fällt hier auch der Preis des Spiels aus: Dank den ganzen verschiedenen Spielmarkern, Plan-Teilen, Plastikfiguren und Karten sind die Produktionskosten entsprechend hoch und die Basisversion des Spiels kostet um die 100 Euro. Dafür wird man aber mit einem Haufen hochwertig hergestellten Kram belohnt. Außerdem sollte hier noch erwähnt werden, dass man dieses Spiel nach dem Durchspielen sehr leicht wieder weiterverkaufen kann (wenn man das denn möchte ... kann ich gar nicht nachvollziehen.).

Mit 1-5 Spielern, entweder als Paladin, Bogenschütze, Zauberin, Krieger-Zwerg oder Schurkin arbeitet man kooperativ Szenario für Szenario gegen das Spiel. Übrigens kann hier ein Spieler auch mehrere Charaktere gleichzeitig spielen. Dabei muss genau abgesprochen bzw. geplant werden, welcher Charakter was in welchem Zug macht, da sonst ganz schnell auch mal die "weichen" Charaktere aus den Latschen kippen.

Ein Szenario wird mit einer Spielzeit von 30 Minuten pro Spieler angegeben, die meiner Meinung nach und je nach Diskussionsumfang und natürlich Spieleranzahl auch deutlich höher ausfallen kann.

Bei "Sword & Sorcery" muss vorab das Regelwerk gelesen werden. Ich persönlich konnte mir selbst nach dessen Studium nicht so recht vorstellen, wie das Ganze ablaufen sollte - diverse Youtube-Videos haben mir da sehr geholfen. Männe und ich wurden dafür mit einem Spiel belohnt, das für mich durch eine hervorragende Story (auf die ich jedoch aus Spoilergründen nicht näher eingehe) und Spielbarkeit (wenn verstanden) die mit Abstand tiefste Immersion der drei hier vorgestellten Spiele vorweisen konnte.

Vorteile

  • mit Abstand beste Story
  • sehr immersiv
  • viel Schnickschnack
  • tolles Kampfsystem

Nachteile

  • Regelwerk recht kompliziert und mit Übersetzungsfehlern
  • teuer
  • wenig Wiederspielwert
  • festgelegte Charaktere (z.B. Magier immer weiblich)

Wertung

Toller Dungeon-Crawler, der mit einer sehr guten Story und interessantem Spielablauf glänzt (den man allerdings manchmal auch erst nach Durchforsten des Internets und diverser Foren 100 %ig versteht).

Gloomhaven
von Isaac Childres | Feuerland Spiele

Auch "Gloomhaven" ist ein Dungeon-Crawler für 1-4 Spieler, die anfangs aus insgesamt 6 Klassen auswählen können: der von ihren Fähigkeiten her relativ klassischen Magierin, dem Barbar, dem Felsenherz und der Schurkin stehen mit der Gedankendiebin und dem Tüftler auch mal etwas andere Klassen gegenüber. Toll!
Insgesamt gibt es jedoch sogar 17 verschiedene Charakterklassen, die jedoch erst nach Beendigung verschiedener Aufgaben oder Szenarien nach und nach zur Verfügung stehen.

Dabei sind hier auch die Rassen sehr erwähnenswert:  keine schicken Elfen und knuddelige Zwerge, sondern teils eigens für dieses Spiel entworfene Rassen wie Ratzen, Inox und Quatryl besiedeln die Stadt und deren Umland.

Anfangs wählt man hier seinen Charakter, gibt ihr/ihm Namen, wählt ihre/seine Fähigkeiten, gibt ihr/ihm ein Lebensziel und formt mit seinem Mitspielern seine restliche Gruppe (für mich ist das übrigens ein kleiner Minuspunkt: ich möchte in einem RPG gerne selbst entscheiden, welche Rasse ich spiele, oder ob Männlein oder Weiblein - in Gloomhaven sind Rassen, Klassen und Geschlecht feststehend, man übernimmt einen vorgeformten Helden und fertig). Auch hier ist es übrigens möglich, als eine Person zwei Charaktere zu übernehmen - hier gibt es dann extra Solospiel-Regeln, da dieses Spiel zwar prinzipiell kooperativ ausgelegt ist, aber Absprachen untereinander explizit nicht erlaubt sind. Eigentlich logisch, denn wer hat mitten im Kampf schon Zeit, groß Taktiken zu besprechen?

Mit der Zeit levelt man seinen Charakter und dessen Fähigkeiten dann auf, bis man letztendlich sein Lebensziel irgendwann erreicht hat, seinen Charakter in Ruhestand schickt und mit einem neu erstellten Charakter weiterspielt.

Das Basisspiel schlägt mit rund 140 Euro zu Buche, was natürlich ein Kracher ist, aber: Mit über 1700 Karten, 95 Szenarien innerhalb der Kampagne sowie der Möglichkeit, zufällig generierte Szenarien erzeugen zu können, ist "Gloomhaven" das mit Abstand umfangreichste der hier vorgestellten Spiele, auch im Hinblick auf das Zubehör: der "Gloomhaven"-Karton bringt 10kg auf die Waage!
Im Übrigen dauert ein Szenario je nach Spieleranzahl zwischen 90-150 Minuten. "Gloomhaven" hat insgesamt also eine enorm lange Spielzeit. Und wenn es einen packt, dann richtig: aktuell spielen wir täglich (!) 1-2 Szenarien durch, freuen uns über jedes Weiterkommen, jeden Erfolg, und sind super gespannt, wann wir endlich den noch versiegelten Schnickschnack und die anderen Klassen freischalten können.

Vorteile

  • lange Spielzeit
  • Kampagnenmodus und zusätzlich generierte Szenarien
  • viel Schnickschnack
  • bestes Kampfsystem
  • enge Verbundenheit zum Charakter
  • Spannung durch später freischaltbaren Inhalt

Nachteile

  • Regelwerk recht kompliziert und mit Übersetzungsfehlern
  • sehr teuer
  • festgelegte Charaktere (z.B. Magier immer weiblich)
  • erneutes Beginnen der Welt nicht möglich, da Aufkleber auf Spielplan und Karten fest angebracht werden (abziehbare Aufkleber können aber dazugekauft werden)
  • wer Ordnung und sein Spiel sauber halten will, muss Hüllen und Organizer dazu kaufen

Wertung

Ich kann mich hier der weitläufigen Meinung nur anschließen: "Gloomhaven" ist aktuell eines der besten Dungeoncrawler auf dem Markt und überzeugt mich (trotz nicht übermäßig spannender Story) rundum: durch tolle Charaktere mit nachvollziehbarer Entwicklung, ein spitzenmäßiges Kampfsystem und unerschöpfliche Abwechslung.

Fazit: Ich kann alle drei Spiele empfehlen, und sie eignen sich hervorragend für ansonsten langweilige Fernsehabende, die über die Weihnachtszeit mit Sicherheit den einen oder anderen wegen fehlender Alternativen treffen werden.

Ich hoffe natürlich trotzdem, dass ihr einige ruhige und schöne Tage verbringen wollt und verabschiede mich hiermit für 2020 aus dem Internet, weil ich süchtig bin 🙂

Bis dahin,
Tina

Du möchtest mitschnauzen? Dann tu es hier: