Gedankenwürmer
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Gedankenwurm #2 | Der Wahnsinn, so bleu!

Die Veröffentlichung meines Blogs musste jetzt nochmal etwas auf sich warten lassen. Der Grund: perfektes Timing meinerseits!

Es war schon länger geplant, „mein“ Zimmer zu renovieren. Bei unserem Einzug vor knapp 8 Jahren hatten wir so ziemlich das ganze Haus auf den Kopf gestellt und renoviert, bis auf diesen einen Raum, der ja „gar nicht so schlimm“ aussah. (Und ja, wir haben beide unser eigenes Zimmer, und eigentlich möchte ich gar nicht nachzählen, wie oft uns das vor diversen Ehestreitereien gerettet hat. Jedenfalls ziemlich oft.)
Auf jeden Fall: Was wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten – die Vorbesitzer waren starke Raucher und hatten kurz vor unserem Einzug neu über die schon angesiffte Tapete gestrichen. Nun ist es ja leider so, dass sich Nikotin innerhalb weniger Wochen wieder durch die Farbschicht frisst, allerdings war bis dahin mein Zimmer voll eingerichtet und ich hatte keinerlei Elan, alles direkt wieder rauszuräumen und nochmal von vorne anzufangen. Wir einigten uns darauf, erst einmal den Rest des Hauses zu machen und dann mal zu schauen.

Da wir unglaublich motivierte und innovative Handwerker sind (NOT), hat es auch nur bis heute, also 8 Jahre, gedauert, bis mein Zimmer nun auch ein wenig Liebe abbekommen hat. Ich wollte das auch unbedingt jetzt machen, weil ich zum Bloggen und für meine ganzen Bücher unbedingt mehr Platz gebraucht habe.
Aber ich sage euch – für die nächsten 8 Jahre habe ich auch schon wieder die Schnauze voll vom Renovieren. Mindestens.

Start der Renovierung
Es begann eigentlich ganz harmlos. Ich hatte mir extra 14 Tage Urlaub genommen, um mich bloß nicht selbst zu stressen und das Ganze ganz entspannt angehen zu können. Ich fing also total motiviert an, Sachen aus dem Raum herauszutragen und die Tapete abzuwaschen, um an Tag 3 streichen zu können. Dabei dachte ich mir, ich könnte eigentlich auch zu diesem Zeitpunkt schon einmal das Nikotin von Fenster und Rahmen kratzen. Gesagt, getan – Leiter hingestellt, und beim Hinaufklettern auf die Leiter irgendeine Ecke der Metallstufen ins Bein gerammt. Blut überall. Schnauze voll, zwei Tage beleidigt.

An Tag 4 fing ich also an zu streichen. Dazu muss ich sagen, unser Haus ist ein Altbau und hat auch im 1. Stock eine Deckenhöhe von 2,80 Meter.
Leider wollte ich mich mit meinem verletzten Stolz nicht dazu herablassen, die verfluchte Leiter überhaupt nur anzuschauen, geschweige denn, sie nochmal zu benutzen. Also hatte ich letztendlich jede Menge Spaß damit, mit meiner gottgegebenen Körpergröße von 1,70 Meter, meinem Farbroller und der knapp 1 Meter langen Verlängerung die Decke mit 4×5 Meter über Kopf zu streichen, wobei dann letztendlich auch noch mehr Farbe in meinem Gesicht als an der Decke landete.

Farbenchaos
Die Decke und drei Wände sollten weiß werden, eine Wand wollte ich petrol haben.
An Tag 4 & 5 habe ich alles weiß gestrichen – mehrmals. Die später petrolfarbene Wand habe ich nicht noch extra weiß grundiert, die Tapeten waren nicht mehr die neuesten und ich war mir wirklich nicht sicher, wieviel Farbe da überhaupt noch draufpasst. Anmerkung der Redaktion, also mir: Natürlich wäre es wirklich wichtig und äußerst sinnvoll gewesen, die versifften Tapeten nach so vielen Jahren einfach wegzumachen und komplett neu zu tapezieren. Ende der Anmerkung.

Die Ecken zur petrolfarbenen Wand habe ich mit Malerkrepp abgeklebt und nur dort noch kurz mit Weiß drübergeschmiert, damit die Ränder später schön scharf werden.

An Tag 6 habe ich mit einem kleineren Farbroller, mit dem ich nicht so herumspritzen wollte, dann petrol gestrichen. Wie das aber eben so ist, wenn man mit einem kleinen Farbroller streicht, war das Ergebnis ein superfleckiges Durcheinander. Auch nach dem zweiten Anstrich. Dann wechselte ich wieder zurück auf den großen Farbroller, um festzustellen, dass bei den vielen Dingen, die ich nicht kann, noch eine Sache dazu kommt, die ich erst recht nicht kann: Farbroller auswaschen.
Das Ergebnis war ein petrolfarbener Fleckenteppich mit weißen, verwässerten Streifen, und petrolfarbenen Spritzern an den weißen Wänden und der Decke. Hurra!

Nach etlichen Nachbesserungen bin ich jetzt aber total in love mit meiner bleu-turquoisen Wand (siehe auch Titelbild). Einziges Problem: beim Abfotografieren ist die Wand einfach rein blau. Ich musste für das Foto Photoshop-Muskeln spielen lassen.
Dazu nochmal eine Anmerkung: Ist euch schonmal aufgefallen, dass es für Männer nur die Farben „Blau“, „Hellblau“ oder „Dunkelblau“ gibt? Mein Bub konnte mit der Farbe „Petrol“ absolut nichts anfangen, und als im weiteren Gespräch ganz grafikdesigner-typisch Farbnamen wie „reines Cyan“, „Marineblau“, „Royalblau“ oder „Preussischblau“ fielen, hat er mich für komplett bescheuert erklärt.

Stinketeppich und das Untendrunter
Als nächstes kam dann der alte Teppich raus. Bei unserem Einzug war der wirklich noch schön gewesen, sofern man von alten Standard-Teppichen von „schön“ sprechen kann. Aber nach 8 Jahren regelmäßiger Frequentierung mit allem möglichen Bäh, also dem ein oder anderen Hundekotzfleck, verschütteten und klebrigen Getränken und nikotinverseuchtem Staub, war der Teppich wirklich fertig.
Eigentlich auch traurig … nachdem der Teppich wahrscheinlich seit 15 Jahren dort fröhlich und unversehrt herumlag, habe ich gerade mal die Hälfte dieser Zeitspanne gebraucht, um ihn vollends herunterzuranzen. Hmm.
Gott sei Dank lies sich der Teppich gut lösen, aber was darunter zum Vorschein kam, hat uns erst mal zum Rätseln gebracht. Als Trittschalldämmung war hier anscheinend Malervlies benutzt worden, welches schon so alt sein musste, dass es vor dem Einbau der Ölheizung verlegt wurde und sogar auch unter den Heizungsrohren verlief. Beim Lösen des Vlies zerfiel es quasi noch in unseren Händen zu Staub und setzte eine „interessant“ riechende, mit Sicherheit lösemittelhaltige Wolke frei, die uns schlichtweg umhaute. Ich habs dann meinen Mann alleine machen lassen 🙂

Das hatte allerdings eine große Zeitverzögerung zu bedeuten, da Männeke keinen Urlaub hatte. Ich hing meinem Zeitplan von 14 Tagen, in denen ursprünglich geplant war, auch neu zu tapezieren und eventuell sogar die OSB-Platten zumindest mal mit Nikotinstopp zu behandeln, also nach nicht mal der Hälfte schon komplett hinterher.

Soziale Verpflichtungen
Etwas, was ich ja gar nicht mag – vor allen Dingen nicht, wenn ich meinen Tag schon verplant habe – ist, wenn andere Leute dann ankommen und mir einen Strich durch die Rechnungen machen. Grund dafür war mein Geburtstag.
Ich selber mache mir absolut nichts aus Geburtstagen, weder bei mir selbst noch bei anderen. Wenn man jemanden mag, kann man das meiner Meinung nach ruhig das ganze Jahr über zeigen, und nur aus kommerziellen Gründen dann plötzlich an diesem einen Tag mit Schrott um sich werfen, den der Beschenkte eh nicht braucht – nein, danke. Aber meine Eltern & Schwiegerleute laden wir an meinem Geburtstag trotzdem zum Essen ein, einfach weil es aus irgendeinem Grund die einzige Möglichkeit ist, dass wir alle mal ohne Zeitdruck und Stress zusammensitzen und quatschen können.

An Tag 7 war also mein großer Tag. Zuvor hatte mich meine Mum angeschrieben, ob sie mir einen Kuchen backen sollte. Ich lehnte dankend ab.
Als wir uns dann im Restaurant unserer Wahl einfanden, erklärte mir meine Mutter, sie hätte mir einen Kuchen gebacken, aber der war noch zu warm und hatte sich nicht aus der Springform lösen lassen. Ich solle am nächsten Tag vorbeikommen und meinen Kuchen holen. Prinzipiell war das zwar lieb gemeint, aber … hmmm. Ich hatte anderes geplant, aber gut. Also haben wir den restlichen Abend den eher zweifelhaften Service in besagtem Restaurant über uns ergehen lassen, der seit dem Corona-Lockdown quasi parallel zu den Autofahrkünsten mancher Leute ins Unterirdische gefallen war.

Als ich dann am nächsten Tag bei meinen Eltern aufschlug, wurde mir von meiner Mutter, die eben den erwähnten Kuchen aus der Springform löste, erklärt, ich würde den Kuchen eh nicht mögen. ALLES KLAR, Tag 7 & 8 renovierungstechnisch für den Po.

Die Zeit ohne PC
Ab Tag 9 musste dann der Schreibtisch mit PC weichen. Auch wenn das für mich als Vollzeit-Nerd ganz furchtbar war, hatte ich so doch endlich mehr Zeit zum Lesen.
Entsprechende Rezensionen folgen die nächste Zeit.

Die restlichen 5 Tage gingen dann, wie oben bereits beschrieben, für Teppichentfernung und Laminat verlegen drauf. Ich wollte konnte da nicht viel helfen.
Nach 14 Tagen stand ich also in einem teilweise renovierten, aber komplett leeren Zimmer.

Ich verbrachte diese 5 Tage hauptsächlich mit Gammeln, Lesen und Saubermachen. Da ich ja so ein unglaublich reinlicher Mensch bin (NOT), war das aber auch dringend nötig. Zur Verdeutlichung: mein Hund hat eine eigene, kleine Couch, die von den Vorbesitzern im Haus gelassen wurde. Haustiere machen nun einmal Flecken, und was ist der einzig richtige Weg, diese loszuwerden? Richtig – eine Decke drüberschmeißen.
Ich war nun mit der unmöglichen Aufgabe konfrontiert, 8 Jahre alten Kauknochen-Sabber aus der Couch zu waschen. Ich bin gescheitert.
Was also tun? Genau: Decke drüber.

Schwedischer Einkaufs-Wahnsinn
An Tag 15 machten wir uns kurzfristig also noch auf zum schwedischen Möbelhaus unseres Vertrauens. Ich hatte mir vorab schon alles zusammengeschrieben, also konnten wir zum Glück relativ schnell durchflitzen und haben nur noch einmal den Notizzettel durchkontrolliert.

Dann kamen wir zu den Schreibtischen. Die fertigen haben mir alle nicht gefallen und waren dank meines geerbten, neuen Widescreen-Monitors sowieso zu klein.
Über den Schreibtisch-Konfigurator hatte ich mir aber etwas Zufriedenstellendes vorab zusammengezimmert. Also kurz Liste mit den ausgestellten Möbeln verglichen und  festgestellt: Oh, es ist Schulanfang, alle Leute kaufen jetzt neue Schreibtische für ihre Blagen. Keinerlei Container mehr da, um die Tischplatte draufzuspaxen. Aber wir, die Handwerker-Könige, die wir sind, haben kurzum einfach andere Container genommen. Ha, denen haben wirs gezeigt. Scheiß auf Schule!

Die Ernüchterung erfolgte nicht einmal eine halbe Stunde später: die ausgesuchte Tischplatte, die oben noch als verfügbar angezeigt wurde, war ausverkauft.
Völlig genervt haben wir dann eine Massivholz-Tischplatte genommen, die ich ursprünglich zwar wollte, mich davon aber verabschiedet hatte, weil sie deutlich teurer war als der übliche Press-Spannplattenmüll. Letztendlich war ich dann zwar vom Einkaufserlebnis an sich genervt, mit dem Ergebnis  aber doch zufrieden. Mein Mann versprach mir, die Möbel die nächsten Tage über aufzubauen, damit ich ENDLICH meinen Rechner wieder benutzen kann. Kein PC, kein Sinn im Leben.

Aufbau-(Un)Spaß
Bereits am nächsten Abend war mein Mann tödlich genervt vom Aufbau der Bücher-Regale. Ich hatte bereits zwei in Normalgröße in meinem Besitz und habe nun ein schmales gekauft, welches man dann mittels V-förmiger Dinger schön um die Ecke stellen kann. Das Anbringen dieser Teile muss so ein furchtbares Gewürge gewesen sein – ich bin froh, dass ich nicht dabei war.

Die Alternativcontainer für den Schreibtisch, die nicht für die Tischplatte gedacht waren, passten überraschenderweise nicht zur Tischplatte. Die Deckel der Container sind so dünn, dass jegliche Schrauben, die man von unten durch den Deckel in die Platte schrauben wollte, einfach im Nirvana verschwanden.
Mann improvisierte, sieht furchtbar aus, aber sieht ja eigentlich auch keiner. Aber man weiß es halt trotzdem …

Die nächste Enttäuschung war dann die Tischplatte an sich. Die ist zwar wunderschön, keine Frage, aber ich halte es irgendwie für falsch, wenn man den Leuten nicht vorher sagt, dass diese komplett unbehandelt ist und erst noch entsprechend geölt und behandelt werden muss. Das war auch beim Ausstellungsstück keineswegs ersichtlich. Beim Auspacken am Abend kam uns einfach ein Zettel mit entsprechenden Hinweisen entgegen gesegelt.
Also den Nachbar wegen Holzöl angehauen und erst die Tischplatte noch 2 Tage lang damit ertränkt.

Das Ende vom Lied
Bis heute ist noch nicht alles eingeräumt, aber ich bin von dem ganzen Thema aktuell so angepisst, dass das auch noch etwas dauern wird.
Nachdem jetzt grob alles an seinem Platz steht, ist natürlich auch der PC wieder aufgebaut. Also setze ich mich früh ganz glücklich mit einer Tasse Eiskaffee vor den Rechner und fange an zu daddeln, um keine 5 Minuten später festzustellen, dass sich durch die kalte Milch an der Tasse Kondenswasser gebildet hat, welches fröhlich und trotz Holzöl quasi ungehindert in meine geliebte Tischplatte sickerte und mir dort einen wunderschönen kreisrunden Wasserfleck hinterlassen hat.

Fick dich, Renovierung!

Bis dahin,
Tina

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